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Zukunft der Bildung: Wie digital müssen die Schulen wirklich sein?

Anker: Die Dorfschule von 1848-1896

Digitalisierung wird zunehmend auch im Schulalltag ein Thema, doch Online-Lernplattformen und Tablets im Unterricht bereiten unsere Schüler nicht auf die Arbeitswelt der Zukunft vor. Was es braucht, ist vielmehr ein radikaler Wandel des gesamten Bildungssystems, der unsere Schüler den Maschinen und Algorithmen der Zukunft überlegen macht.

„Das Ende der Kreidezeit“

Enthusiastisch verkünden Bildungspolitiker und Kultusministerien die Fortschritte bei der Digitalisierung im Bildungswesen: immer mehr Technologien halten in deutschen Klassenzimmer Einzug und beenden so das Zeitalter der Tafelkreide. Baden-Württemberg etwa setzt mit der Onlineplattform ELLA auf digitalisierte Lerninhalte und cloudbasierten Datenaustausch. Doch nun zeigt sich, das Projekt ist technisch nicht umsetzbar und wird vielleicht sogar ganz eingestampft.

Welchen Mehrwert eine solche Plattform schaffen würde, bleibt ohnehin schleierhaft, denn schon heute informieren sich Schülerinnen und Schüler über Online-Tutorials, halten Referate auf Basis von Wikipedia-Artikeln oder organisieren sich in WhatsApp-Lerngruppen. Lehrer und Kultusverwaltungen scheitern also noch daran, Technologien bereitzustellen, die Schülerinnen und Schüler im Privaten ohnehin bereits täglich nutzen. So nutzen laut einer Studie beispielsweise 73 % der 9-Klässler mindestens einmal täglich einen PC zuhause, während nur 1 % der befragten Schülern angibt, täglich in der Schule mit einem PC zu arbeiten.

Technologien alleine nicht entscheidend

Doch je mehr Technologien das Lehren und Lernen begleiten, desto weniger wird die Struktur des Bildungssystems hinterfragt. Dabei stecken gerade hier Hemmschuhe für eine erfolgreiche gesellschaftliche Zukunftsausrichtung. Seit Einführung von Regelschulen im 19. Jahrhundert hat sich im Bildungswesen recht wenig verändert. Noch immer werden bis zu 30 Kinder und Jugendliche von einer Lehrkraft betreut und lernen nach vordefinierten Lehrplänen, mit dem einzigen Ziel, gute Noten zu erhalten. Raum für Kreativität und freie Entfaltung von individuellen Talenten und Persönlichkeiten wird – wenn überhaupt – nur in offen gestalteten Gruppen- oder Projektarbeiten gegeben.

Und nach wie vor läuft es für die meisten darauf hinaus, in kürzester Zeit möglichst viel vorgegebenes Wissen zu verinnerlichen, das regelmäßig in Prüfungen abgefragt wird. Vielleicht wird es einfacher, den Stoff zu lernen, wenn interaktive Whiteboards verwendet werden, aber das Grundproblem, dass Kinder zu wenig aus eigener Erfahrung und Motivation heraus lernen und häufig nur Lehrbuchwissen reproduzieren, bleibt auch in einer „Smart School“ bestehen.
Daher stellt sich die Frage, ob diese neuen Formen des Lernens, die zurzeit ohnehin noch nicht flächendeckend ankommen, Kinder und Jugendliche auf das (Berufs-)leben in 20 oder 30 Jahren vorbereiten. Es kann nur gemutmaßt werden, welche Fähigkeiten dann gebraucht und nachgefragt werden. Sicher ist aber, dass in Zukunft viele Berufe und Tätigkeiten wegfallen, da Künstliche Intelligenz, Algorithmen und vernetzte Roboter schon heute in vielen Bereichen effizienter arbeiten als Menschen. […]

Quelle: techtag.de | 16.07.2018