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Zu Dir, zu mir, Euch oder zu uns?

Wegen des Coronavirus soll man nur noch mit der Kernfamilie zusammen sein. Aber wer ist das? Die Frage stellt sich erst recht, wenn die Ausgangssperre kommen sollte.

Wenn ich als Teenager herausfinden wollte, in wen von den süßen Jungs ich denn nun wirklich verknallt war, stellte ich mir immer eine Frage: Wenn ich zwei Wochen auf eine einsame Insel muss – wen würde ich mitnehmen? Nach einigem Tüfteln und diversen durchdachten Szenarien blieb meist nur ein Name übrig. Mein Herz war sich sicher: Er ist es.

An diesem Wochenende, lange nach meinen insularen Gedankenspielen von damals und vielleicht kurz vor einer bundesweiten Ausgangssperre, stellt sich eine ähnliche Frage. Zugegeben, mit weniger Pathos und Drama, aber doch ähnlich in ihrer emotionalen Kraft: Wenn ich für mehrere Wochen zu Hause bleiben muss – wen will ich um mich haben? Meine Freunde? Meinen Partner? Meine Eltern? Geschwister?

Am Freitag hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die erste Ausgangssperre der Bundesrepublik verhängt. Am Sonntag werden Bund und Länder beraten, ob es nun auch flächendeckende Ausgangssperren geben soll. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) rief dazu auf, sich alle Maßnahmen zu Herzen zu nehmen und „abgesehen von der Kernfamilie möglichst alle sozialen Kontakte zu vermeiden“. Wer also ist für mich diese „Kernfamilie“?

Von Sara Tomšić

Quelle: zeit.de | 22.03.2020