Allgemein

Wie Erklärvideos den Unterricht auf den Kopf stellen

Die digitale Revolution des Lernens ist an deutschen Schulen bislang eher Wunschtraum als Realität. Ein Mathelehrer aus Ulm will das ändern.

Wer wissen will, was sich hinter dem „Flipped Classroom“ verbirgt, der kann bei Wikipedia nachschauen oder einen Experten anrufen. Ganz altmodische könnten es auch mit einem Buch versuchen, einem Englisch-Lexikon zum Beispiel. Dann würden sie schon mal herausfinden, dass ein Flipped Classroom wörtlich ein auf den Kopf gestelltes Klassenzimmer ist. Im Sinne des Erfinders ist aber eigentlich nur ein Weg, um die Frage zu beantworten: Computer an, Youtube auf, Video gucken.

Sebastian Schmidt, Mathelehrer an einer Realschule in Neu-Ulm und einer der engagiertesten Vertreter der Methode an deutschen Schulen, nimmt sich für seine Einführung 3:45 Minuten Zeit. „Der Flipped Classroom“, erklärt er mit bayerisch breit gerolltem R in die Kamera, „dreht den traditionellen Unterricht wortwörtlich um.“ Statt 25 Schülern in der Klasse wieder und wieder das Gleiche zu erklären, um sie dann am Nachmittag mit den Hausaufgaben alleine zu lassen, befassen sich die Schüler nach der Schule selbst mit dem Stoff – zum Beispiel in Form eines Videos, das sie je nach Bedarf anhalten, zurückspulen oder auch mehrmals schauen können. Am Vormittag gewinnt der Lehrer oder die Lehrerin so Zeit – um sie in die Schüler zu investieren. „Sie werden es nicht bereuen“, verspricht Schmidt seinen Zusehern.

Quelle: sueddeutsche.de | 28.11.2019