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Wenn in der Schule für die Ferien geübt wird

Stehen die Zensuren fest, flaut der Unterricht ab: Filme gucken, Ausflüge, Spiele. Eltern ärgert das. Mancherorts greifen nun die Behörden durch, damit die laue Zeit nicht ausufert.

Von Bernd Kramer

Die meisten Schulen in Deutschland haben sich bereits in die Sommerpause verabschiedet. Und dort, wo offiziell noch Unterricht stattfindet, wird inoffiziell für die Ferien geübt. Im Matheunterricht werden Eiskugeln gezählt, statt Flächeninhalte berechnet, der Biologie-Kurs sitzt die Schulpflicht träge im grünen Klassenzimmer ab, in Erdkunde spielen die Schülerinnen Stadt-Land-Fluss. Und Lehrer, denen sonst nichts einfällt, schieben einfach einen Film ein. Diese Phase nach Notenschluss, heißt es manchmal entschuldigend, sei wichtig für das Gemeinschaftsgefühl. Dass man die Gemeinschaft ausgerechnet stärken muss, kurz bevor sie für sechs Wochen komplett aufgehoben wird, ist ein Punkt, der vielen Eltern nicht so recht einleuchtet. Die Kinder sollen was lernen!

Ein Gymnasium in Ulm löste kürzlich bei Eltern Unbehagen aus, weil es den Termin für die „zentrale Bücherrückgabe“ auf Anfang Juli festgesetzt hat. Die Ferien im Ländle beginnen allerdings erst Ende Juli. Rechnerisch ergibt sich damit eine schulbuchfreie Zeit von fast vier Wochen, insgesamt 17 volle Unterrichtstage. Über alle Schüler und Jahrgangsstufen summiert sind das Hunderte Unterrichtsstunden. „Die letzten Wochen des Schuljahres werden verschenkt“, empörte sich anonym eine Mutter in der Lokalpresse. Die Schulleitung versuchte zu beschwichtigen: Man könne die Zeit gut mit Laptops und Notebooks überbrücken.

Quelle: sueddeutsche.de | 13.07.2019