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Warum sechs Wochen Ferien für Lehrer fair sind

30 Urlaubstage am Stück, davon können die meisten Angestellten nur träumen. Für Lehrer wird dieser Traum jeden Sommer wahr. Arne Ulbricht ist sich dieses Privilegs bewusst, findet aber auch: Das ist angemessen so.

„Doofe Sprüche hört man als Lehrer ständig. Aber an einen erinnere ich mich besonders gut, weil er mir vor einigen Jahren während einer Jugendherbergsfamilienfreizeit noch während der Vorstellungsrunde entgegengeschleudert wurde:

„Du bist Lehrer? Na toll. Wenn ich wieder arbeiten muss, dann hast du noch vier Wochen Ferien!“

Ich stockte und dachte: So ein Scheiß… wie soll ich denn nun reagieren?

Zunächst unterdrückte ich den Impuls, mich zu rechtfertigen. Ich hätte von meinem Kollegen erzählen können, der für knapp 40 Prüfungen ein Dutzend Themen hatte stellen und die Prüfungen auch alle abnehmen müssen. Oder davon, dass Anfang des Schuljahres ein Schüler in meiner Klasse einen tödlichen Verkehrsunfall gehabt hatte und ich deshalb nicht nur als Lehrer, sondern auch durchgehend als Seelsorger gefragt war.

Im Lehrerberuf passiert ständig Unvorhersehbares. Allein die Erkrankung eines Kollegen kann dazu führen, dass man einen Kurs übernehmen muss und sich die wöchentliche Arbeitszeit von einem Tag auf den anderen erheblich verlängert.

Aber hätte ich dergleichen erzählt, hätte es nicht nur wie eine Rechtfertigung geklungen, es wäre auch als Beleidigtes-Leberwurst-Verhalten rübergekommen mit dem Subtext: Die Sommerferien reichen in meinem megaharten Stressberuf nicht mal, um die tausend Überstunden abzubummeln, also lass mich in Ruhe! […]

Quelle: spiegel.de | 05.07.2018