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Warum die Schule das Lügen lehren muss

Es wird ja gern und häufig über die Schulen geklagt. Was so alles fehlt. Warum es unbedingt mehr Wirtschaftsunterricht geben muss und viel mehr Computer und Praxisrelevanz (z.B. Infos über Mietverträge, Versicherungen etc.) oder ein Schulfach „Gesunde Ernährung“. Das ist natürlich alles Quatsch. Ich finde, die Schulen machen schon vieles richtig und sind vielleicht die letzte Bastion gegen eine verdummende Erwachsenenwelt. Es gibt nur eine einzige Sache, die wirklich fehlt, ein absolut notwendiges Pflichtfach – aber ich habe noch keinen griffigen Namen dafür.

von Janosch Niebuhr

Vielleicht „zynischer Realismus“ oder „RhetLo“ (Abkürzung für Rhetorik und Logik) oder „Manipulations-Forensik“. Ein Fach jedenfalls, das unsere Kinder befähigt, Lügen, Fehlschlüsse und Propaganda zu erkennen. Online wie offline.

Bisher werden die notwendigen Qualifikationen dafür meist noch en passant in anderen Fächern wie Mathematik, Deutsch, Politik, Geschichte, Religion oder Philosophie vermittelt. Aber das reicht nicht mehr. (Vielleicht hat es nie gereicht, aber seit jeder mit Internetanschluss zum Welterklärer werden kann und Algorithmen Konsumenten und Wähler für Kampagnen sortieren, können wir es uns nicht mehr leisten, das kritische Denken dem Zufall zu überlassen. Auch Medienscouts oder Social-Media-Workshops sind keine Antwort, genauso wenig wie „Content“-Empfehlungen oder -Filter. Kritisch denken kann man nicht delegieren.)

Quelle: faz.net | 16.05.2019