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Vorbildlich: Rentner schlichten Streit unter Schülern – und entlasten Lehrer

MÜNCHEN. Zeitunglesen und Reisen – das kommt für Matthias Kraemer in seinem Ruhestand nicht infrage. Stattdessen arbeitet er ehrenamtlich an einer Grundschule – zwischen Pausenengeln und Pausenbengeln.

«SOS: Hier spricht Ihr Kapitän. Unser Schiff sinkt und Ihnen bleiben nur noch zehn Minuten um zur Polarstation zu kommen. Retten Sie die gesamte Besatzung.» Es ist Donnerstag, 8.00 Uhr morgens. Der Ort des Geschehens ist nicht das Polarmeer, sondern die Turnhalle der Grundschule an der Zielstattstraße in München. Beim «Eisschollenspiel» trainiert die Klasse 4b ihre Teamfähigkeit. Der Kapitän heißt Matthias Kraemer und arbeitet ehrenamtlich bei «Seniorpartner in School», einem bundesweiten Verein, bei dem Rentner Schüler beim Lösen ihrer Konflikte unterstützen. Bayernweit sind dafür 80 Rentner an mehr als 30 Schulen im Einsatz.
Schüler streiten sich oft

Anlässe für Streit gibt es viele: Die einen können sich beim Fußballspiel in der Pause nicht einigen, wer in welche Mannschaft kommt oder welche Regeln gelten. Andere ärgern sich gegenseitig oder beschimpfen sich nach dem Motto: «Du bist nicht mehr meine Freundin». Die Senioren helfen bei Konflikten aller Art helfen, sagt Kramer.

Seit 2010 ist der Verein in München aktiv. In den vergangenen Jahren konnten die Ruheständler auch Grund- und Mittelschulen in Deggendorf, Eging am See, Ingolstadt und Vilshofen an der Donau von ihrem Konzept überzeugen. Auch in Augsburg und Nürnberg wollen sie tätig werden. Auf Bundesebene gibt es die Streitschlichter seit 2001. Mittlerweile umfasst der Bundesverein mit Sitz in Berlin 14 Landesverbände. Um für den Verein arbeiten zu können, lassen sich die Ruheständler kostenlos zu Mediatoren ausbilden. Anschließend verpflichten sie sich, mindestens 18 Monate lang einen Vormittag pro Woche an einer Schule zu arbeiten.

Quelle: news4teachers.de | 09.02.2020