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Sitzenbleiben, damit Lehrer es besser haben?

Was, wenn Lehrer und Direktoren bei der Entscheidung, wer ein Schuljahr wiederholen muss, ihre eigene Agenda verfolgen, um die Klassengröße zu beeinflussen? Forscher sind dieser Frage jetzt nachgegangen.

Von Nadine Bös

Über das Sitzenbleiben in der Schule gibt es immer wieder Streit: Hilft es den betroffenen Schülern, verpassten Stoff nachzuholen, nicht komplett abgehängt zu werden, mit Hilfe der Wiederholung neues Selbstvertrauen zu gewinnen? Oder schadet es ihnen: Weil sie durch das Stigma des Sitzenbleibers vor allem an Selbstvertrauen verlieren, weil sie aus ihrem Klassenverband herausgerissen werden und nicht zuletzt: Weil sie langfristig später ins Arbeitsleben eintreten und Geld verdienen können?

Jenseits dieser Streitpunkte hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nun in einer Studie, die der F.A.Z. vorab vorliegt, untersucht, ob noch ein ganz anderes Motiv hinter dem Sitzenbleiben stecken könnte. Was, so fragte der Autor, wenn in Wirklichkeit Lehrer und Schuldirektoren bei der Entscheidung, wer eine Klasse wiederholen muss und wer nicht, ihre ganz eigene Agenda verfolgen? Sie könnten nämlich damit – sozusagen durch die Hintertür – versuchen, Klassengrößen zu beeinflussen und zu reduzieren.

Quelle: faz.net | 11.01.2020