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Sind mündliche Noten ungerecht?

Schlechte Noten für die mündliche Beteiligung, weil die Schülerin ein stiller Typ ist? Der Lehrer Michael Felten sagt: Es geht nicht immer um Gerechtigkeit.

Von Michael Felten

Die Elternfrage: Sind mündliche Noten nicht ziemlich ungerecht? Wer 30 oder gar 200 Schüler unterrichten muss, kann wohl kaum erfassen, wer sich wie gut im Unterricht eingebracht hat. Und was sagen Sie dazu, dass meine Tochter trotz guter Testleistungen insgesamt immer wieder abgewertet wird, nur weil sie ein stiller Typ ist?

Es ist noch schlimmer, als Sie vermuten: Sogar die Noten unter den Klassenarbeiten spiegeln die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler keineswegs vollkommen gerecht wider. Da spielt deren Tagesform eine Rolle, oder es sind Formulierungen und Lösungswege nur schwer vergleichbar. Hinzu kommt, dass der Lernzuwachs eines Schwachen manchmal viel größer ist als der eines Überfliegers.

Erst recht ist eine gerechte Beurteilung mündlicher Beiträge keine einfache Sache; und bei 5 bis 10 Klassen zu je 30 Schülern misslingt sie gewiss auch gelegentlich. Deshalb teilen viele Lehrer diese Noten den Schülern vorab mit – um Irrtümer rechtzeitig korrigieren zu können. Zudem ist es in den meisten Bundesländern so, dass stille Schüler höchstens eine kleine Einbuße bei der Gesamtbeurteilung hinnehmen müssen. Denn das Mündliche wird lediglich als Teilbereich der „sonstigen Mitarbeit“ gesehen. Dazu zählen auch häusliche schriftliche Leistungen, ergänzende Referate, die Unterstützung von Mitschülern etc.

Quelle: zeit.de | 02.05.2019