Allgemein

Sind Frauen die besseren Lehrer?

In allen Schulformen sind weibliche Lehrkräfte inzwischen in der Mehrheit – mit steigender Tendenz. Wie kann man sich das erklären? Sie verfügen neben mehreren Kernqualifikationen über eine erzieherische Geheimwaffe.

Von Rainer Werner

Frauen, die Lehrer werden wollten, hatten eine Frauenquote noch nie nötig. Vor Kurzem eroberten sie aus eigener Leistung die letzte Männerbastion, das Gymnasium. Auch dort bilden sie inzwischen in den Lehrerkollegien die Mehrheit, wie das schon in den anderen Schulformen seit Längerem der Fall ist.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sprechen für sich: Fast drei Viertel der deutschen Lehrer (72 Prozent) im Schuljahr 2014/2015 waren weiblich – deutlich mehr als vor zehn Jahren (67 Prozent). Zum Vergleich der Frauenanteil in Politik und Wirtschaft: Im aktuellen Deutschen Bundestag sitzen 30,9 Prozent Frauen, in den Vorständen der 200 größten Unternehmen gerade einmal 8 Prozent.

Wie kann man sich den hohen Frauenanteil im Lehrberuf erklären? Die landläufige Meinung dazu lautet: Frauen erziehen in der Regel ihre eigenen Kinder, dann kann der Umgang mit fremden Kindern auch nicht so schwer sein. Auch beamtenrechtliche Gründe werden bemüht: Das Dienstrecht für Lehrkräfte erlaube es viel leichter als die Tarifverträge in Industrie und Verwaltung, die Arbeitszeit zu reduzieren, ja für einige Jahre den Dienst ganz zu unterbrechen, ohne Gefahr zu laufen, anschließend nicht mehr an die Arbeitsstelle zurückkehren zu können.

Quelle: WELT | 16.01.2019