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Englisch in der Grundschule – das galt mal als schwer fortschrittlich. Heute sagen viele: Die Kinder sollen erst richtig Deutsch lernen. Doch schließt das eine das andere wirklich aus?

Von Paul Munzinger

Der CDU-Politiker Alexander Lorz ist Kultusminister in Hessen und seit Januar Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK). Wie seine Vorgänger hat auch Lorz sich ein Thema ausgesucht, dem seine Präsidentschaft in besonderer Weise verpflichtet sein soll. In seinem Fall, so verkündete es die KMK Anfang Dezember per Pressemitteilung, ist dies „die Stärkung der Bildungssprache der Deutsch“. So ein Lapsus ist immer peinlich, aber dieser hat vermutlich besonders geschmerzt.

So verstolpert der Start war, so klar wird mittlerweile, was Lorz meint, wenn er von der Stärkung der Bildungssprache Deutsch spricht. In einem Interview mit der Welt sagte der 53-jährige Jurist kürzlich, dass es nie zuvor eine „solche Vielfalt an Erfahrung und an Bildungshintergründen, an sprachlichen Fertigkeiten“ gegeben habe. Die größte Herausforderung seien dabei nicht mehr Flüchtlinge, sondern Kinder aus EU-Ländern, die häufig ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland kämen. Der Fokus der Grundschulen müsse daher „ganz klar“ auf dem Deutschen liegen. Fremdsprachenvermittlung dagegen sei keine primäre Aufgabe der Grundschulen. „Ich glaube“, sagte Lorz, „wir haben hier mehr erwartet, als einlösbar war.“ Hessen habe deshalb beschlossen, die Stundentafel in Deutsch wieder auszuweiten.

Quelle: Süddeutsche Zeitung | 10.02.2019