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In immer mehr Schulen droht Kontrollverlust: “Mobbing, Übergriffe und Verhaltensauffälligkeiten bringen viele Lehrer an ihre Grenze”

BERLIN. Lehrererinnen und Lehrer kommen immer öfter an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Verhaltensauffällige Schüler und aggressive Eltern sorgen für ein Klima in vielen Klassenräumen, in dem Lernprozesse kaum mehr in Gang zu bringen sind. Und das betrifft keineswegs nur Brennpunktschulen. „Es gibt eine Verrohung im Umgang miteinander“, so stellt der Leiter eines Hamburger Gymnasiums fest. Der Eindruck verfestigt sind: In vielen deutschen Schulen droht ein Kontrollverlust. Warum?

„Hi! Wie geht ihr damit um, wenn euch ein Schüler vor versammelter klasse anschreit, frech wird und unschöne Sätze fallen? Ich habe einen sehr aufbrausenden Schüler, der auch bei anderen Lehrern das Verhalten zeigt. Bekommt auch regelmäßig Strafen aber mehr passiert da nicht. Was würdet ihr in der Situation selbst tun? Ich war ein wenig perplex und hab es ignoriert aber fühle mich dabei nach 3 Tagen Abstand immer noch nicht gut“, so fragt eine Referendarin in die Runde einer Selbsthilfegruppe auf Facebook – und bekommt Dutzende Antworten. Der Chat gibt einen anschaulichen Einblick in Situationen, denen Lehrkräfte heutzutage ausgesetzt sind.

Eine Kollegin gibt Rat: „Ein ruhiges ‚bist du jetzt fertig?‘ Vielleicht muss man ihm den Wind aus den Segeln nehmen.“ Die Reaktion der Fragestellerin: „Mein ‚bist du fertig‘ würde man bei dem Geschrei nicht mal hören.“ Weiter führt sie aus: Wenn dem Schüler – 10. Klasse – etwas nicht passe, etwa die Sitzordnung, werde er sofort aggressiv und laut. Seine Mutter sei alleinerziehend und selbst überfordert. Niemand in der Schule stelle sich dem Jugendlichen entgegen. „Scheinbar hat er alle in der Hand.“ Sie selbst, so die Junglehrerin, habe Angst, vor der Klasse die Autorität zu verlieren. „Ich versuche, beim nächsten Mal zu signalisieren, dass ich alles unter Kontrolle habe.“

Quelle: news4teachers | 09.02.2019