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Dieser Lehrer will die Schule abschaffen

Seit 20 Jahren unterrichtet Oliver Hauschke. Nun rechnet er radikal mit seinem Arbeitsplatz ab. Zu Gast bei einem, der vom Glauben abgefallen ist.

Von Paul Munzinger

Um Oliver Hauschke vom überzeugten Gymnasiallehrer zum Revoluzzer werden zu lassen, brauchte es zehn Minuten. Die zehn Minuten nämlich, die zwischen 90 und 80 Minuten liegen. Von 90 auf 80 Minuten hatten sie an seiner Schule die Doppelstunde gekürzt, aus zwei Gründen: Weil eine Doppelstunde erstens ziemlich lang ist. Und weil bei drei Doppelstunden an einem Schultag so insgesamt 30 Minuten zusammenkommen – für die Schüler, zum freien Arbeiten. Das Ministerium war einverstanden, die Schüler waren zufrieden, Hauschke sowieso.

Doch nach ein paar Jahren mussten sie die Uhr zurückdrehen: zur 90-Minuten-Doppelstunde. Aus einem einzigen Grund, sagt Hauschke: Weil die Politik es so wollte und die Schulleitung in „vorauseilendem Gehorsam“ nachgab. Für Hauschke sind diese zehn Minuten einer von vielen Beweisen dafür, dass die Schule keine Abweichungen duldet und keine Veränderungen zulässt, schon gar nicht zum Guten. Das System hält er deshalb für ein Problem, das gelöst werden muss. Nicht Schritt für Schritt, sondern auf einen Schlag. Alles weg. Und dann alles neu.

Quelle: sueddeutsche.de | 28.05.2019