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Das kann ja keiner lesen

  • In einer Umfrage unter 2000 Lehrern geben 86 Prozent der Befragten an, dass sich die Handschrift ihrer Schüler verschlechtert habe.
  • Die Lehrer beobachten bei mehr als jedem dritten Grundschulkind Schwierigkeiten und bei 43 Prozent der Schüler an weiterführenden Schulen.
  • Durchgeführt hat die Umfrage der Verband Bildung und Erziehung zusammen mit dem privaten Schreibmotorik-Institut: Sie halten das Erlernen der Handschrift wie nahezu alle befragten Lehrer weiterhin für wichtig und fordern mehr Aufmerksamkeit für die Grundkompetenzen.

Von Paul Munzinger

Probleme? Anne Deimel spricht lieber von Herausforderungen, aber davon gibt es beim Thema Handschreiben aus ihrer Sicht eine ganze Menge. „Einigen Kindern fällt das Schreiben mit der Hand leicht, das war immer so und das ist auch heute noch so“, sagt die 52-Jährige. Seit 15 Jahren leitet sie eine Grundschule in Arnsberg, Nordrhein-Westfalen. „Aber wir merken, dass es immer mehr Kinder gibt, denen es sehr schwer fällt.“ Dabei geht es nicht um Schönschrift oder Rechtschreibung, sondern um die Grundlagen: Wie halte ich den Stift, wie fest muss ich aufdrücken, wie schreibe ich fließend und unverkrampft, so dass noch Konzentration für den Inhalt übrig bleibt. „Das muss geübt werden“, sagt Deimel, gerade heute. Doch dafür fehle häufig die Zeit.

Schüler können immer schlechter mit der Hand schreiben – dieser Meinung ist nicht nur Deimel, dieser Meinung ist einer Umfrage zufolge auch die überwältigende Mehrheit der Lehrer in Deutschland. Die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat in Zusammenarbeit mit dem privaten Schreibmotorik-Institut mehr als 2000 Lehrer befragt; die Ergebnisse wurden am Dienstag in Berlin vorgestellt. 86 Prozent der Lehrer gaben an, die Handschrift der Schüler habe sich verschlechtert oder sogar sehr verschlechtert. Damit bestätigt sich das Ergebnis, das bereits eine vergleichbare Umfrage im Jahre 2015 ergeben hatte.

Quelle: sueddeutsche | 09.04.2019