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Noten machen es auch nicht besser

Noten sollen mir als Schüler ein Feedback zu meiner Leistung geben. Soweit die Theorie. In der Schule lenken sie aber vor allem vom Lernen ab

von Simon Clemens

„Können wir heute Notenbesprechung machen?“ Eine Frage, die sich besonders vor den Ferien wachsender Beliebtheit erfreut. Neben dem Interesse zu erfahren, was man für die Mühen der letzten Monate bekommen wird, entsteht der Wunsch nach Notenbesprechungen oft aus ganz pragmatischen Gründen. Denn da der Lehrer für dieses Prozedere gewöhnlich den Raum verlässt, fällt der Unterricht der betroffenen Stunde flach. Aus der geselligen Heiterkeit im Klassenraum wird schnell eine angespannte Stimmung, wenn man selbst an der Reihe ist. Draußen angekommen beginnt der Lehrer meist mit einem Resümee der erbrachten Leistungen, um daraufhin jene Ziffer zu verraten, die von „sehr gut“ bis „ungenügend“ den Erfolg des vergangenen Halbjahres absteckt.

Abhängig von der genannten Note gibt es nun verschiedene Möglichkeiten der Reaktion: Der Klassiker ist sicherlich der spontane Heulkrampf. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass der Lehrer den Emotionen erliegt und die betrübende Note aufbessert. Eine weitere Möglichkeit liegt im Notenhandel. Wie auf dem Basar kann hier durch kluges Argumentieren die Bilanz aufgebessert werden. Manchmal sind solche Optimierungsversuche aber auch gar nicht nötig. So kommt es mitunter sogar vor, dass man nicht von schlechtem, sondern positivem Feedback überrascht wird. Froh über die unverhoffte Einschätzung, schämt man sich beinahe für Leistungen, von denen der Lehrer mehr weiß als man selbst. […]

Quelle: freitag.de | 14.04.2018